Ist Warmwasserbereitung mit Strom teuer?

Viele Mietinteressenten stellen sich die Frage, was es mit der Warmwasserbereitung über Elektro-Durchlauferhitzer (im Folgenden mit ‚DLE‘ abgekürzt) und Elektro-Boiler auf sich hat. Manche fürchten, daß Warmwasserbereitung speziell über DLE zu hohen Stromkosten führt. Wir möchten Ihnen hierzu ein paar interessante Fakten vorstellen.

(1) Warmwasserbereitung über Strom ist keineswegs exotisch in Deutschland. Das statistische Bundesamt hat ermittelt, daß 2018 5,5 Mio. Wohnungen ihr Warmwasser (im Folgenden ‚WW‘ abgekürzt) mittels Strom bereiteten. Das waren immerhin 15% der betrachteten Wohnungen. Andere Energiearten waren nicht zwangsläufig populärer: Fernwärme wurde nur in 5,3 Mio. Wohnungen zur Trinkwassererwärmung eingesetzt, Heizöl und Gas kamen bei 7,3 bzw. 16,8 Mio. Wohnungen zum Einsatz.

(2) Warmwasserbereitung über Strom heißt fast immer auch: dezentrale Warmwasserbereitung. Und damit wiederum ist Warmwasserbereitung in der Wohnung und hier ganz nahe an der Verbrauchsstelle (Bad, Küche) gemeint. Das Gegenstück ist zentrale Warmwasserbereitung. Hiermit ist die Erzeugung des WW im Keller gemeint. Für alle Wohnungen eines Hauses wird das gesamte WW durch die Heizung oder Fernwärmstation im Keller erzeugt. Die Heizung ist dann also nicht nur für die Raumwärme zuständig, sondern macht auch gleich noch das WW.

(3) Zentrale WW-Bereitung hört sich nach Effizienz an. Aber Vorsicht, so einfach ist es nicht. Das im Keller bereitete WW muss in einem großen Vorratsbehälter (Tank) zwischengespeichert und von dort in die Wohnungen transportiert werden. Und dabei geht eine geradezu unglaubliche Menge Energie verloren: nämlich über die Hälfte!

Sie haben Zweifel? Nehmen Sie Ihr altes Physikbuch zur Hand oder schlagen Sie bei Wikipedia nach. Man benötigt 4186 Joule um 1 Liter Wasser um 1 Grad Kelvin zu erwärmen. Mit ein bißchen Umrechnerei landet man bei 1,163 kWh/m³K. Laut Heizkostenverordnung sind aber 2,5 kWh/m³K anzusetzen, wenn es darum geht, die WW-Kostenumlage durchzuführen. Unser Gesetzgeber unterstellt also, daß von der Energie, die man bei zentraler WW-Bereitung einsetzt, sage und schreibe 53% verloren gehen. Und das Schlimme: Er hat recht, es ist tatsächlich so.

Das lässt sich empirisch aus Statistiken z.B. von Techem ersehen. Der große Dienstleister für die Heizkostenabrechnung analysiert seit Jahrzehnten die Energieverbräuche in tausenden von Häusern. Er hat bei seinen Analysen festgestellt, daß die sog. „Volumenformel“ der Heizkostenverordnung aus dem vorstehenden Absatz, aus der sich der hohe Energieverlust bei zentraler WW-Bereitung ergibt, haargenau stimmt.

Techem hat darüber hinaus ermittelt, daß der WW-Verbrauch je m² Wohnfläche bei 0,229m³ liegt bzw. 11,47m³/Person; Der Energieverbrauch bei zentraler WW-Bereitung liegt bei rund 30 kWh/m² Wohnfläche.

(4) Versuchen wir, die Kosten der WW-Bereitung am Beispiel einer 60m²-Wohnung auszurechnen. Zunächst für die zentrale WW-Bereitung. Wenn man Techem’s Zahlen glaubt (sie sind aus der Analyse von 120.000 Gebäuden mit 1,4 Mio. Wohnungen gewonnen, das ist ganz sicher eine verlässliche Datengrundlage), dann fällt ein Energieverbrauch von

30 kWh/m² * 60m² = 1800 kWh

an. Bei den unterschiedlichen Energieträgern Gas, Heizöl und Fernwärme lief das im Jahre 2018 auf reine Energiekosten in folgender Höhe hinaus:

Fernwärme: 0,097 €/kWh * 1800 kWh= 174€
Gas: 0,052 €/kWh * 1800 kWh = 94€
Öl: 0,059 €/kWh * 1800 kWh = 106€

(Anmerkung für Spezialisten: Die obige Rechnung ist für die Energieträger Gas und Öl noch beschönigend, da sie die Verluste bei der Erzeugung der Wärme mittels Heizkessel unberücksichtigt lässt; Quelle auch hier: Techem; wir lassen diese Feinheit nur weg, damit die Ausführungen nicht zu kompliziert werden.)

Nun die WW-Bereitung mit Strom. Wieder vertrauen wir auf Techem’s Zahlen und errechnen einen WW-Bedarf von

0,229m³/m² * 60m² = 13,74m³

DLE’s haben erwiesenermaßen einen Wirkungsgrad von 98%. WW wird im Haushalt fast überall mit ca. 40° Celsius gebraucht und mit 10° C von den Stadtwerken „angeliefert“. Unter Zuhilfenahme unseres Physikbuchs kommen wir auf einen Energiebedarf von

1,163 kWh/(m³K) * 13,74m³ * (40°-10°) / 0,98 = 489 kWh

Multipliziert mit einem durchschnittlichen Strompreis von, sagen wir, 0,28€/kWh erhalten wir Kosten von 137€.

Stromkostenschätzung
Warmwasser über Elektro-Durchlauferhitzer bereiten, 60m²-Wohnung; 1,2 Personen; 13,7m³ Warmwasser; 137€ pro Jahr. Stand: 2021

Das ist kein großer Unterschied zur zentralen WW-Bereitung, oder?

(5) Vielleicht fragen Sie sich jetzt: „Ich habe im Internet viel höhere Kosten für die WW-Bereitung mit DLE gelesen. Wie passt das mit der Rechnung der Dr. Breit OHG zusammen?“

Nehmen wir ein Beispiel. Die Stiftung Warentest (SW) beschäftigt sich in der Ausgabe 1/2015 ihrer Zeitschrift „test“ mit Durchlauferhitzern. Es werden erschreckende Stromkosten von 825€ bis 955€ pro Jahr für 9 DLE-Modelle errechnet. Dabei gingen die Tester der SW von einem 4-Personenhaushalt aus, der einen WW-Bedarf von 230 Liter pro Tag haben soll.

230 Liter? Rechnen wir nach! 230 L pro Tag entspricht 83,95m³ pro Jahr, dies geteilt durch 4, weil von einem 4-Personen-HH die Rede war, ergibt: 20,99m³/Pers.u.Jahr. Das ist 83%(!) mehr als der von Techem ermittelte Wert von 11,47m³/Pers.u.Jahr, siehe oben.

20,99m³/Pers.u.Jahr oder 11,47m³/Pers.u.Jahr, was ist richtig? Eine heiße Fährte liefert wieder das Statistische Bundesamt. Dort hat man erfasst, daß die öffentliche Wasserversorgung (vulgo: Stadtwerke, Wasserwerke) jeden Einwohner Deutschlands 2016 mit 123 Liter Wasser (Kaltwasser, das dann auch kalt verbraucht wurde, oder aber erwärmt und dann als WW genutzt wurde) pro Tag beliefert hat. Gewerbliche Großabnehmer sind bei dieser Zahl schon abgezogen. 123 Liter täglich, das sind 44,9 m³/Pers.u.Jahr. Da Techem nicht nur das WW gezählt hat, sondern auch das Kaltwasser, können wir vergleichen:

Techem: 11,47m³ WW + 26,96m³ KW = 38,43m³ Gesamtwasserbrauch
Destatis: 44,9m³ Gesamtwasserbrauch
Stiftung Warentest: 20,99m³ WW

Wenn man unterstellt, daß Techem das Verhältnis von WW- und KW-Verbrauch richtig erfasst hat, dann würde der WW-Wert von Stiftung Warentest auf einen Gesamtwasserbrauch von 70m³ oder 193 Liter/Pers.u.Tag hinauslaufen, was 57% über dem Wert des Statistischen Bundesamts liegt. Techem liegt mit seinen Werten 14% unter dem Wert des Statistischen Bundesamts, das scheint uns plausibler.

Fazit: Die Horrorzahlen der Stiftung Warentest (ca. 890€ Stromkosten für einen 4-Personenhaushalt, entsprechend vielleicht 440€ für einen 2-Personenhaushalt) sind mit großer Wahrscheinlichkeit bezogen auf Mieterhaushalte eine Übertreibung. Wir halten unsere obige Rechnung von 137€/Jahr für eine 60m²-Wohnung für realistischer.

(6) Bei all dem Obigen haben wir vieles außer Acht gelassen. Z.B. müssen bei der zentralen WW-Bereitung die WW-Rohre, die vom Keller eines Hauses in die Wohnungen verlegt werden, auch bezahlt werden. Dito: Der WW-Behälter im Keller, der neben dem Heizkessel steht. Und um das WW vom Keller in die Wohnung zu pumpen, benötigt man eine Pumpe, die mit Strom betrieben wird. Investitionen braucht es aber auch bei der dezentralen WW-Bereitung; hier müssen die DLE’s und Boiler bezahlt werden. Was ist teurer? Es ist alles andere als leicht, solche Berechnungen anzustellen. Das liegt an sich ändernden Preisen, an Materiallebensdauern, die geschätzt werden müssen, und, und, und. Tendenziell werden die meisten Bauexperten wohl zu dem Schluss kommen, daß zentrale WW-Bereitung kapitalintensiver und damit teurer ist als dezentrale WW-Bereitung. Bei Vermietung führen höhere Investitionskosten natürlich zu einer höheren Miete. Dies sollte man bei Kostenvergleichen zur WW-Bereitung im Hinterkopf behalten.


Quellen:
Statistisches Bundesamt, Fachserie 5 Bauen und Wohnen, Wohnen in Deutschland, Zusatzprogramm des Mikrozensus 2018, Tab. 13, ‚Bewohnte Wohnungen in Wohngebäuden (ohne Wohnheime) 2018 nach Art der Nutzung, Gebäudegröße, Baujahr, Wohnungsfläche, Anzahl verwendeter Energiearten der Warmwasserversorgung und überwiegend verwendeter Energieart der Warmwasserversorgung‘

Statistisches Bundesamt, Fachserie 5 Umwelt, Reihe 2.1.1 – 2016, Öffentliche Wasserversorgung und öffentliche Abwasserentsorgung – Öffentliche Wasserversorgung

Techem Energiekennwerte 2019, Techem Energy Services GmbH, 65760 Eschborn. Am 9.2.2021 kostenlos abrufbar unter https://newsroom.techem.de/pressemappe/studien/energiekennwerte.html

Stiftung Warentest, „test“, Ausgabe 1/2015: Schock für Warmduscher. Am 9.2.2021 kostenlos abrufbar unter https://www.test.de/Durchlauferhitzer-im-Test-Preis-Schock-fuer-Warmduscher-4796802-4796808/